09.08.2023

Fairer Wettkampf – starke Vereine. Für eine liberale Sportpolitik

Wir Jungen Liberalen Frankfurt wollen eine moderne, liberale Sportpolitik, die
 Vereine stärkt, Bewegung fördert, Missstände bekämpft und Selbstbestimmung schützt.
 Daher fordern wir:

 A) Vereine stärken

  1.  Verwaltungsverfahren und Förderanträge sollen digital vereinfacht und
     insbesondere für kleine, ehrenamtlich geführte Vereine leichter zugänglich
     werden.
  2.  Ehrenamtliche Übungsleiter und Trainer erhalten einen gesetzlichen Anspruch auf
     zusätzlichen Fortbildungsurlaub (5 Tage/Jahr), der außerhalb der regulären
     Erwerbstätigkeit liegt und flexibel genommen werden kann, vorausgesetzt dass die
     ehrenamtliche Tätigkeit nachgewiesen werden kann. Zusätzlich sollen kommunale
     Auszeichnungen und Benefits wie Einladungen zu ehrenamtsspezifischen Events der
     Kommunen, wie Neueröffnungen, Galas, etc. das Ehrenamt attraktiver machen.
  3.  Trainer/Ehrenamtliche in Vereine sollen für ihre Tätigkeiten Rentenpunkte
     erhalten.
  4.  Einfachere Zugänge durch ein zentrales digitales Matching-Tool („Verein-Schule-
     Portal“), das Vereine und Schulen nach Sportart, Altersgruppe und Region
     verbindet. Gefördert werden mehrjährige Kooperationen mit fester Hallenteilung,
     Trainerkoordination und gemeinsamen Qualifizierungsmodulen.
  5.  Bund, Land und Kommunen sollen gemeinsam Programme zur Sanierung und
     Modernisierung von Vereinsanlagen auflegen, insbesondere in strukturschwachen
     Regionen.

 B) Schulsport neu denken und Vereinssport in den Ganztag integrieren

  1.  Jede Ganztagsschule soll feste, mehrjährige Partnerschaften (mindestens 2 Jahre)
     mit lokalen Sportvereinen eingehen, um Kontinuität und Planungssicherheit zu
     gewährleisten.
  2.  Kommunen, sollen ein öffentlich zugängliches digitales Hallenbelegungsportal
     entwickeln, das eine effiziente Nutzung ermöglicht, altersgerechte
     Trainingszeiten sicherstellt und neben den regulären Nutzungen, Vorrang für den
     Ganztag und Vereine bei z.B. Umlegung von Trainingseinheiten gibt. Über das
     Portal muss klar geregelt werden, dass z.B. Hausmeister sollen Hallen öffnen und
     schließen (falls keine andere, sichere Möglichkeit besteht), dass Privatpersonen
     sollen einen marktüblichen Hallenmietbetrag zahlen und dass die mietenden
     Personen oder Vereine für Schäden haften.
  3.  Sportangebote von Vereinen sollen mindestens 6 Stunden monatlich im Rahmen des
     Ganztags stattfinden, um Kindern den Übergang in den organisierten Sport zu
     erleichtern und näher zu bringen. Nach Möglichkeit und Nachfrage sollen die
     Stunden exponentiell erhöht werden. Daraus soll ein Zusammenspiel von mehreren
     Vereinen mit verschiedenen Sportangeboten entstehen.
  4.  Die Koordination zwischen Schule und Verein ist als feste Aufgabe anzuerkennen
     und auf das Stundenkontingent von Lehrkräften anzurechnen.
  5.  Sanierungs- und Ausbauprogramme müssen Priorität genießen, wo Schule und Verein
     gemeinsam Hallen nutzen.
  6.  Kostenfreien Zugang zu Ganztagssport sichern: Sportangebote im Rahmen des
     Ganztags sollen kostenfrei sein; Zuschüsse sollen finanzielle Hürden beim
     Vereinsbeitritt ausgleichen.
  7.  Schulen und Vereine sollen feste Ansprechpartner für die Koordination von Sport
     im Ganztag benennen, um die Verlässlichkeit und Kooperation zu sichern

 C) Amateursport fair Finanzieren – kein Abstieg in die Schuldenliga

  1.  Das Land Hessen soll sich auf Verbands- und Bundesebene für eine Reduzierung
     finanzieller und infrastruktureller Anforderungen an Amateurvereine stark
     machen.
  2.  Unverhältnismäßige Infrastrukturpflichten senken: Vorgaben für
     Medienübertragungen oder aufwendige Gästebereichseinrichtungen sollen nur bei
     tatsächlicher sicherheits- oder wirtschaftlicher Notwendigkeit gelten.
  3.  Vereine sollen Hochrisikospiele an alternativen Austragungsorten durchführen
     dürfen, um unnötige Investitionen in selten genutzte Infrastrukturen zu
     vermeiden.
  4.  Die Entlastungsmaßnahmen sind auf vergleichbare Ligensysteme anderer Sportarten
     auszuweiten.

 D) Gesundheit im Leistungs- und Amateursport stärken – Fair Play für

  1.  Vereine und Verbände sollen nach Möglichkeit verpflichtende Präventionsangebote
     gegen Überlastung, Essstörungen und psychische Erkrankungen einführen.
  2.  Athleten müssen über den möglichen Zugang zu unabhängigen medizinischen und
     psychologischen Fachkräften – außerhalb der Verbandsstrukturen aufgeklärt
     werden.
  3.  Die Landesschutzkontaktstelle gegen Gewalt (LSKG) soll als zentrale Anlaufstelle
     ausgebaut werden, speziell geschult auf Sport- und Vereinsproblematiken, um
     regionalübergreifend eine Meldestelle zu haben und Doppelstrukturen zu
     vermeiden.
  4.  Land und Kommunen sollen Programme unterstützen, die Aufklärung,
     Trainingsqualität und sportmedizinische Checks ermöglichen, und die
     Gesundheitsorientierung auch im Breitensport zu fördern.

 E) Gegen Fouls am Fiskus – Steuerbetrug und – Verschwendung im Sport konsequent
 bekämpfen

  1.  Das Maximalgehalt für Amateursportler, bis zu welchem kein offizieller
     Amateurvertrag abgeschlossen werden muss, soll auf das Niveau eines Minijobs
     angehoben werden und einheitlich für alle Sportarten gelten.
  2.  Für Steuern und Sozialabgaben soll parallel zum Steuerfreibetrag für Studierende
     ein Grundfreibetrag gelten. Eine Anrechnung auf den Steuerfreibetrag im Fall
     eines Studiums oder eine Ausbildung erfolgt nicht.
  3.  Um Steuerbetrug und Steuervermeidung besser abgrenzen zu können, sollen klare
     Tatbestände iRd. § 370 AO für Vereine aller Größenordnungen im Steuerrecht
     implementiert werden. So können anhand dieser Regelungen die Sportvereine selbst
     entscheiden, wie sie ihre Buchhaltung und Bilanzierung möglichst effizient, aber
     rechtssicher umsetzen können.
  4.  Staatliche Beteiligungen in Form von Gesellschaften und vor allem Bürgschaften,
     die die Zahlung von Vorfälligkeitszinsen oder Investitionszuschüssen zur Folge
     haben können, für Projekte (insbesondere im Profisport lehnen wir ab.
     Förderungen haben transparent über Posten im Haushalt zu erfolgen, der Staat hat
     aber in den Vereinen selbst nichts zu suchen.
  5.  Sportler sollen Zivilgerichtsbarkeit wählen können, um nicht der CAS unterworfen
     zu sein.

F) Sportförderung liberal gestalten

  1.  Öffentliche Gelder sollen gezielt für Jugend-, Integrations- und Inklusionssport
     verwendet werden statt für Prestigeprojekte wie Stadien für einzelne
     Spitzensportvereine oder nicht nachhaltige Großveranstaltungen ohne regionale
     Verankerung.
  2. Hürden wie komplizierte Genehmigungsverfahren für Corporate
     Volunteering, hohe Mindestspenden für Förderungszulagen und fehlende klare
     Regelungen für Sponsoringverträge sollen gestrichen werden. Diese sollen als
     Zusatz und nicht als Ersatz von staatlichen Förderungen gesehen werden.

 G) Kommunale Sportpolitik in Frankfurt liberal gestalten

  1.  Die Stadt Frankfurt soll den Sportentwicklungsplan (SEP) in enger Abstimmung mit
     Bezirksämtern, Vereinen und Bürger dezentral umsetzen.
  2. Ein digitales, öffentlich einsehbares Buchungssystem für Sportstätten soll eingeführt werden, dass Priorität für Schulen, Vereine und Ganztag gibt, nach dem Modell aus B).
  3.  Vereinsförderung an Bedarf und Leistung koppeln: Die städtischen Zuschüsse an Sportvereine sollen transparent an konkrete Kriterien gekoppelt werden, z. B. hoher Anteil Jugend- und Kinderangebote oder Inklusionsmaßnahmen mit geförderten Plätzen (Kostenübernahme durch die Kommune).
  4.  Bei Neubau, Sanierung oder Schließung von Sportstätten ist eine verpflichtende Abstimmung/Befragung mit umliegenden Vereinen vorab durchzuführen, um lokale Bedarfe effizient zu berücksichtigen und Lösungen für damit einhergehende Problematiken zu schaffen.
  5.  Antragsverfahren für Vereinszuschüsse und Sportstätten-Nutzung sollen digital vereinfacht werden; kleine Vereine erhalten nach Bedarfsprüfung eine „Sofortförderung“ bis 5.000 Euro.

Begründung

Sportvereine sind das Herzstück unseres Sportsystems: In Deutschland gibt es rund 86.000 Vereine mit über 28 Millionen Mitgliedern, aber viele kämpfen ums Überleben. Fast 18 Prozent sehen ihre Existenz gefährdet – vor allem durch höhere Kosten für Energie, Instandhaltung und Personal sowie massiven Mangel an Ehrenamtlichen. Knapp 60 Prozent der Vereine sorgen sich um fehlende Helfer, wodurch Angebote eingeschränkt werden müssen. Kleine Vereine haben besonders mit komplizierten Förderanträgen und mangelnder Wertschätzung zu tun, während Kooperationen mit Schulen enormes Potenzial für Nachwuchs und gemeinsame Nutzung von Hallen bieten.

Gleichzeitig bewegen sich Kinder und Jugendliche viel zu wenig. In Hessen gibt es Programme wie „Schule & Verein“, die Kooperationen fördern – aber die Mittel sind knapp, Hallen überfüllt und Planung unsicher. Schulen melden ausfallende Sportstunden, Vereine kurzfristige Projekte ohne Perspektive. Modellvorhaben wie „Sport im Ganztag“ zeigen: Mehr Vereinsangebote steigern die Bewegung deutlich, doch Konkurrenz um Trainingszeiten bleibt ein Problem.

Öffentliche Förderung geht fast nur an Spitzensport (Bund: rund 300 Millionen Euro jährlich), Amateurvereine müssen teure Auflagen wie Sicherheitsstandards oder Technik selbst stemmen. Viele sehen sich existenziell bedroht, weil Lizenzvorgaben die lokalen Einnahmen übersteigen – oft nur für seltene Hochrisikospiele relevant. Alarmierend sind Gewaltzahlen: 37 Prozent der Sportler erlebten körperliche Gewalt im Verein, 26 Prozent sexualisierte Gewalt ohne Kontakt, 19 Prozent mit Kontakt. Nur ein Drittel der Vereine hat Präventionspläne, viele Fälle bleiben unentdeckt.

Förderung dominiert Spitzensport, Prestigeprojekte wie Stadien verdrängen Breitensport. In Frankfurt verwaltet die Stadt zwei Drittel der Sportstätten, 40 Prozent sind sanierungsbedürftig, Vergaben undurchsichtig – Vereine fehlt Planungssicherheit.

Eine liberale Sportpolitik entbürokratisiert, stärkt Eigenverantwortung, koordiniert Förderung klug und setzt auf Transparenz sowie Prävention – für starke Vereine, mehr Bewegung, faire Strukturen und lokale Bedarfe.

Weitere Beschlüsse

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